Der erste Unterrichtstag! Wir müssen bereits um 7.00 Uhr da sein, um an der ersten Dienstbesprechung teilzunehmen. Das ist von Schule zu Schule unterschiedlich, viele empfinden es als überflüssig. Sie hatten Recht.
Die Dienstbesprechung ist seltsam. Wir sitzen zum ersten Mal im prall gefüllten Lehrerzimmer, werden organisatorische Dinge besprochen werden. Das meiste sagt mir nichts, ich kenne die Schule noch nicht genau genug, um mir über die neuen Fahrradabstellregeln ein Bild machen zu können. So beobachten wir das Verhalten der Lehrer und versuchen, nicht unangenehm aufzufallen. Ich fühle mich nicht wirklich, als ob ich hierhergehöre.
Nach der Dienstbesprechung stellt sich unser Ausbildungslehrer vor, wir werden zu den Fachlehrern geschickt. Wer sind die? Hilfe! Das Lehrerzimmer ist voll von unbekannten Gesichtern. Wir müssen uns durchfragen, einige werden uns im Vorübergehen gezeigt und gleich wieder vergessen. Die freundlicheren bieten gleich Unterrichtsbesuche oder Unterricht an, und wir danken höflich. Alles neu, aufregend und erschlagend.
Nach dieser ersten Vorstellung – sehr chaotisch – besprechen wir organisatorische Sachen. Wir müssen pro Woche zehn Stunden hospitieren (das heißt, den Unterricht des Lehrers beobachten) und über die Dauer des Praxissemesters dreißig Unterrichtsstunden halten, was sich nach wenig anhört, aber immerhin 2,3 Stunden pro Woche bedeutet (und in der ersten und zweiten schaffen wir das Pensum sicherlich nicht). Immerhin müssen wir uns die Hospitationsstunden nicht belegen lassen, das nimmt da etwas Überwachung raus und macht das Ganze angenehmer. Wir müssen außerdem einen Ordner führen, der am Ende angeguckt und bewertet wird und außerdem einen Bericht schreiben. Benotet wird davon nichts, und die abschließende Bewertung müssen wir auch nie jemandem zeigen, aber es ist wie ein Arbeitszeugnis: wichtig ist, was nicht drin steht. Und was steht wohl nicht drin, wenn bei einer späteren Bewerbung der Praktikumsbericht fehlt…? Das Ganze schafft gleich wieder unangenehmen Druck.
Als letzte Tat des Tages (Hospitieren ist nicht, da nur die Klassenlehrer Organisatorisches mit ihren Klassen klären und wir da nicht erwünscht sind) machen wir unsere Stundenpläne für die Woche – oder versuchen es zumindest. Verzweifelt hüpfen wir zwischen dem Gesamtstundenplan und den Lehrern hin und her, versuchen die einzelnen Kollegen zu finden und sie zu bitten, diese und jene Stunde besuchen zu dürfen. Besonders problematisch: wir müssen uns für jeden einzelnen durchfragen und nerven bald das ganze Kollegium. Außerdem haben wir keine Anhaltspunkte, nach was man den Stundenplan am besten aufbaut. Ich nehme einfach mal wie an einem ordentlichen Büffet von allem ein bisschen. Ein weiteres Problem ist, dass die nächsten Tage nur Einführungsstunden sind – also wieder organisatorisches, bei dem man uns manchmal nicht dabeihaben will.
Unsicher über unseren Status gehen wir mit halbfertigen Stundenplänen nach Hause.
Doch damit ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Ich muss noch zur Arbeit. Spätschicht, von 14.45 Uhr bis 23.15 Uhr. Das schlaucht, besonders, da ich dank der tollen Verbindungen der Öffentlichen Verkehrsmittel erst um 0.20 Uhr zuhause bin.