Ende

Juni 11, 2008

Hallo allerseits,

leider wird dieses Blog nicht mehr abgeschlossen werden. Inzwischen ist zu viel Zeit vergangen, und meine Aufzeichnungen sind nur unvollständig. Ich möchte aber noch einige abschließende Worte verlieren.

Wie der geneigte Leser sicher schon festgestellt hat, stehe ich dem Praxissemester insgesamt sehr positiv gegenüber. Es gab allerdings einige relativ starke Wermutstropfen.

Die Finanzierung. Es kann einfach nicht sein, dass ein Full-Time-Job und eine entsprechende Engagierung des Studenten verlangt, dafür aber nichts bezahlt wird. Man kann nicht auf der einen Seite verkünden, dass die Studenten keine Zeit zum Arbeiten haben werden, andererseits aber selbst nichts bezahlen. Das ist schlichtweg heuchlerisch.

Die Sinnlosigkeit des Seminars. Die Zeit im Seminar, immerhin ein Nachmittag in der Woche, war Verschwendung. Man lernt fast nichts Neues, kann nur Dinge anreißen und hat generell ziemlich das Gefühl, veräppelt zu werden.

Diese Probleme sollte dringend im Verlauf der nächsten (sicherlich kommenden) Reformprozesse gelöst werden. Insgesamt ist das Praxissemester aber eine vernünftige Einrichtung, die sehr hilfreich ist.

4.10.2007

Oktober 12, 2007

Gestern war Feiertag, das tat gut! Ausschlafen, zocken, ein bisschen Unterricht vorbereiten.

Heute halt ich wieder Geschichte, vermeide die Fehler vom Montag. Schon deutlich besser, das Echo ist positiv.

Ich beginne immer mehr, Hospitationsstunden zwar aufzuschreiben, aber nicht wahrzunehmen, eine Taktik, auf die alle Praktikanten zu verfallen beginnen. Waren sie zu Anfang noch hochinteressant, nehmen sie mit dem eigenen Unterricht schnell an Bedeutung ab und werden tödlich langweilig. Ich bin eigentlich regelmäßig nur bei den Elfern dabei.

01.10.2007

Oktober 12, 2007

Ich habe heute nur eine Hospitationsstunde – bei der elften – , in der sechsten Unterrichte dann wieder Geschichte. Ich bin relativ müde, da ich am WE nicht genug Schlaf bekommen habe. Zusätzlich scheinen auch die Kinder heute chronisch unaufmerksam zu sein; in der Nachbesprechung wird mein Fachlehrer mir sagen, dass ich nicht wie sonst gewesen sei, und dass sich meine schlechte Laune auf die Schüler übertragen habe. Ebenfalls interessant ist, dass die “Störer” hinten rechts nicht viel mehr störten als sonst, sie mir jedoch in meiner schlechten Stimmung als deutlich störender vorkamen.

Es ist beeindruckend, wie wichtig die Stimmung des Lehrers für die Qualität des Unterrichts ist. Ich nehme mir vor, ab sofort immer eine so gute Laune wie möglich zu transportieren – denn davon hängt viel ab.

Ebenfalls beeindruckend finde ich, wie groß die Macht der Namen ist. Wenn man die Namen der Schüler kennt, kann man sie als Störer direkt ansprechen. Ein allgemeines “Ruhe bitte” hilft nichts, ein “Ruhe bitte, Michael” sorgt augenblicklich dafür. Bei allen. Interessant.

Nachmittags habe ich wieder Nachhilfe, wie jeden Montag. Ich entschließe mich, auch hier ein bisschen wegzugehen vom bisherigen Schema der Hausaufgabenbetreuung und der vertiefenden Übungen und stattdessen mit Didaktik mehr an den Kern zu gehen. Es wäre mehr notwendig, aber das ist nicht drin, leider. Es zeigt aber bereits erste Früchte.

28.09.2007

Oktober 12, 2007

Wieder Hospitation. Ich bin nun schon eine Weile in einer elften Klasse, die einen ungeheuer reifen Eindruck macht. Es ist die Drei-Sprachen-Klasse, unter zwanzig Schüler, aber das allein kann es nicht sein. Die Diskussionen in Gemeinschaftskunde sind von ausgesuchter Qualität und praktisch Selbstläufer, auch komplexe Arbeitsaufträge werden bewältigt, die in meiner ehemaligen elften Klasse eher ein ratloses Schulterzucken provoziert hätten.

Dasselbe kann ich auch in Deutsch beobachten, wo die Klasse ebenfalls große Fähigkeiten zeigt. Ich werde sie noch eine Weile begleiten und nehme mir vor, sie auch einmal zu unterrichten – allerdings will ich bis dahin noch eine Weile üben, denn ich denke, dass es hier mehr braucht als in der sechsten Klasse.

In der sechsten Stunde habe ich die zweite Sitzung zum Thema Comics. Ich habe den ersten Streich von Max und Moritz zerschnitten und neu zusammengebaut; die Schüler sollen ihn rekonstruieren. Davor reden wir ein wenig über Wilhelm Busch und die Zeit, um die Geschichten besser einordnen zu können. Ich bin erfreut, dass meine Zeitplanung aufgeht – 30 Minuten waren richtig angesetzt – , jedoch gehen mir die Ideen für die Ergebnissicherung aus, die etwas planlos verläuft. Ich kann das zwar vor der Klasse überspielen, aber mir missfällt es.

27.09.2007

Oktober 12, 2007

Die zweite Stunde Geschichte. Ich komme sehr gut mit den Kindern klar, und ich bin – ebenso wie mein Fachlehrer – überrascht, wie stark sie sich für Geschichte begeistern. Sie haben Artikel gesammelt, ausgeschnitten, aufgeklebt und mitgebracht,  obwohl ich eine solche Aufgabe nicht auch nur im Ansatz gestellt habe und melden sich ständig.

Ein Fehler, den ich diese Stunde begehe erscheint mir besonders wichtig: in den hinteren beiden Reihen rechts sitzen nur Jungs, von denen einer besonders nach Aufmerksamkeit lechzt und im Eifer zum Störer wird. Ich neige dazu, Störungen aus dieser Ecke größtenteils ihm zuzuschreiben. Das muss sich dringend ändern.

Außerdem passiert es mir immer wieder, dass ich Schülerbeiträge übergehe. Ich weiß nicht, wieso, vielleicht aus Angst, ihnen mit negativer Rückmeldung weh zu tun. Ich werde diesen Fehler noch eine Weile behalten.

26.09.2007

Oktober 12, 2007

Wir haben keine Schule, stattdessen ganztägig Seminar. Kein besonders guter Tausch, wenn auch Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik Deutsch noch erträglich sind. Spätnachmittags allerdings wollen wir alle nur noch nach Hause, besonders, da aufgrund des notorischen Zeitmangels die Stoffe ungeheuer komprimiert und fast nicht aufgearbeitet in unseren Ordnern landen.

24.09.2007

Oktober 12, 2007

Aus den Erfahrungen der zweiten Woche schlau geworden, habe ich den Stundenplan für diese Woche konsistenter gestaltet. Es ist vollkommen sinnlos, bei zig Klassen und Lehrern zu hospitieren; man muss eine gewisse Kontinuität haben und eine Klasse im jeweiligen Fach ein, zwei Wochen begleiten, um aus Höhen und Tiefen einen Mittelwert erstellen zu können. Auch so etwas, das sie uns hätten sagen können.

In Geschichte habe ich heute meine erste Unterrichtsstunde, ebenfalls eine sechste Klasse, auch hier eine komplette Einheit. Steinzeit. Ich wurde vom Fachlehrer überreichlich mit Arbeitsmaterial versorgt, die Stundenkonzeption haben wir zusammen erstellt. Ich fühle mich deutlich besser vorbereitet und abgesicherter als in Deutsch. Das Ergebnis ist ähnlich, auch wenn ich einige grobe Fehler des ersten Males vermeide.  Es geht runter wie Öl, zum zweiten Mal zu hören, man sei goldrichtig im Job. Besonders, wenn es wirklich aufrichtig gemeint zu sein scheint wie hier.

21.9.2007

Oktober 12, 2007

Vormittags hospitiere ich noch ein wenig, bin aber schon ganz schön aufgeregt. Vor der sechsten Stunde kontrolliere ich zigmal meine Sachen. Folien, Blätter, Stift, Kreide. Meine Aufzeichnungen. Folien, Blätter, Stift, Kreide. Meine Aufzeichnungen. Alles da.

Die Stunde selbstläuft äußerst flüssig. Die Schüler-Lehrer-Interaktion (wie man den Umgang des Lehrers mit den Schülern so schön nennt) ist hervorragend, meine Erfahrungen aus Nachhilfe und Live-Rollenspiel bewähren sich mehrfach. Selbstverständlich ist vieles noch im Argen, wie ich dann in der Nachbesprechung erfahre:

Ich kenne die Namen der Schüler nicht. Ich habe daran auch keinen Gedanken verschwendet, aber das ständige Zeigen und “Du, ja, du” ist nicht gerade optimal. Ich bin aber ein wenig konsterniert; das hätte der Fachlehrer auch vorher besprechen können ;)

Zum anderen waren die Stundenelemente teilweise nicht übermäßig sinnvoll ins Gesamtkonzept eingebettet und die Zäsuren waren nicht klar gesetzt. Ich bin aber hauptsächlich froh,  dass die Stunde gut gefüllt war, die Zeitplanung halbwegs aufging und ich einen souveränen Unterricht machen konnte. Die Feinheiten kommen hinterher.

20.09.2007

Oktober 12, 2007

Allmählich entsteht, auch unter Hilfe des Fachlehrers, ein Konzept. Ich werde die Schüler erklären lassen, was ihre Comics sind und um was es darin geht – dann haben sie etwas zu tun und die anderen kennen es auch gleich. Danach sollen die Schüler an die Tafel vor und anschreiben, was sie an Comics eigentlich gut finden. Daraus will ich dann extrahieren, was eigentlich ein Comic ist (Bild+Text in Sprechblasen). Ich lege auch gleich die Grundlagen für die nächste Stunde, in der Max&Moritz exemplarisch als Comic-Vorläufer behandelt werden sollen.

Mein Konzept für die Einheit sieht vor, dass die Schüler neben diesen beiden Einführungsstunden zwei Stunden zum Thema Text in Comics, eine zum Thema Bilder, eine zum Thema Protagonisten und eine zur Zusammenführung dieser Themen und dem Erstellen eines eigenen Comics erhalten. Ich bin gespannt, die Konzeption liest sich gut und findet das Gefallen des Fachlehrers.

Einen kleinen Dämpfer erhalte ich in einem Gespräch mit einer Referendarin. Ich wusste bisher nicht, dass das Referendariat verlängert werden kann, falls die Lehrprobe nicht bestanden wird oder aber beschlossen wird, der Referendar sei “nicht reif” – eine weitgehend untransparente Entscheidung. Damit einher geht ein weiteres Jahr Referendariat, nur mit gekürztem Gehalt. So bekommt der Lehrer eine effektiv voll ausgebildete Lehrkraft für ein Butterbrot. Da die Referendare  ohnehin nur um die 800 Euro Brutto bekommen, würden sie damit einen Full-Time-Job für 600 Euro/Monat Brutto machen, ohne auch nur Anspruch auf irgendwelche Hilfen. Wie man davon leben soll, wissen nur Rau und Frankenberg.

19.09.2007

Oktober 12, 2007

Neben dem Hospitieren mache ich mir zunehmend Gedanken um die erste Unterrichtsstunde, die am Freitag in der 6. stattfinden soll. Ich habe die Kinder beim Hospitieren heute gebeten, ihre Lieblingscomics mit in die Schule zu bringen, damit wir am Freitag darüber reden können. Das ist in sofern schon einmal ein guter Anfang, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich daraus machen soll.

Nachmittags ist zum ersten Mal Fachdidaktik Geschichte. Es ist grauenerregend; der ältliche Dozent, Lehrer an einem anderen Gymnasium, ist von geradezu erbärmlichen rhetorischen Fähigkeiten. Ein Glück, dass wir ihn nur zweimal haben. Er erweckt auch den Anschein, dass seine Fragen und Aufgaben an uns Makulatur sind, denn er zwängt unsere Antworten und Vorschläge auf sein Konzept hin – ein Fehler, den zu vermeiden er uns übrigens rät, ohne ihn bei sich zu bemerken.

18.09.2007

Oktober 12, 2007

Der Vormittag ist wieder unbelegt, damit ich nachmittags arbeiten kann. Ich fühle mich nicht gut dabei, der Ausbildungslehrer hat ziemlich eindeutig gesagt, dass er nicht will, dass wir einen Tag nicht an der Schule sind, obwohl es keine Regel dagegen gibt. Den Schein für das Praxissemester nicht zu bekommen, wäre eine Katastrophe.

Es ist das letzte Mal, dass ich zu dieser Arbeitsstelle gehe – aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

17.9.2007

Oktober 12, 2007

Montag, eine neue Woche. Der Stundenplan ist reichlich leer, aber der Dienstag ist für Arbeit reserviert. Beides an einem Tag werde ich nicht noch einmal machen.

Die verschiedenen Unterrichtsstile divergieren nicht nur von Lehrer zu Lehrer, sondern auch von Stufe zu Stufe. Das ist einserseits klar, andererseits wirkt es gleich ganz anders, wenn man es sich wirklich bewusst macht. Ich habe das Gefühl, vor einem Berg an neuen Erfahrungen und Eindrücken zu stehen, ohne zu wissen, wie groß er wirklich ist. Selbstzweifel keimen auf. Bin ich geeignet für den Job? Werde ich versagen?

Eines ist jedenfalls klar: es steckt deutlich mehr dahinter, als es bisher den Anschein hatte.

Nachmittags gebe ich wieder Nachhilfe. Ich bin mehr denn je unzufrieden mit dem Konzept dieser privat-professionellen Nachhilfe-”Schulen” à la Schülerhilfe, doch weiß ich noch nicht recht, was ich dagegen tun soll und bin vom Schulstress am Morgen auch nicht übermäßig gut gelaunt, was dadurch nicht verbessert wird, dass die Nachhilfeschüler noch weniger Motivation aufbringen als ich.

14.09.2007

Oktober 12, 2007

Allmählich verschaffe ich mir einen kleinen Überblick bei den Lehrern. Ich weiß grob, wer meine Fächer hat und habe bereits einige hospitiert. Die meisten erkundigen sich höflich nach meinen Fächern und dem Studienort, doch nur die wenigsten scheinen ernsthaft ein Gespräch zu suchen. Naja, die Zeit zwischen Lehrer- und Klassenzimmer ist dafür auch nicht wirklich ausreichend. Und nachmittags muss gearbeitet werden.

Bereits zwei Lehrer haben mir sehr freundlich angeboten, bei ihnen zu unterrichten – quasi sofort, auch eine längere Einheit. Wenn ich bedenke, dass man sagte, man fange erst mit kurzen Phasen der Stunde an, bei denen man dem Lehrer zur Hand geht und macht dann irgendwann volle Stunden – ich soll gleich mit ganzen Einheiten über mehrere Stunden anfangen und diese auch planen. Dafür klingt das Thema, dass mir für eine sechste Klasse Deutsch vorgeschlagen wird, interessant: Comics. Das wird sicherlich witzig.
Als der Tag endet, bin ich um einige Erfahrungen reicher, weiß aber immer noch nicht wirklich, wie man richtig hospitiert. Vielleicht wird das ja nächste Woche besser, einen irgendwie zusammengezimmerten Stundenplan habe ich nach der sechsten Stunde immerhin.

13.9.2007

Oktober 12, 2007

Den heutigen Vormittag habe ich nicht mit Stunden belegt, da ich nachmittags schon wieder arbeiten gehe. Der Montag und Dienstag haben gezeigt, dass beides nicht geht. Eine Atempause ist es trotzdem nicht, obwohl ich immerhin ausschlafen kann. Heute nacht komme ich wieder erst um halb eins nach Hause, und mörgen habe ich die erste Stunde schon wieder Hospitation.

12.9.2007

Oktober 8, 2007

Neben der Tatsache, dass ein weiterer 9/11-Jahrestag unbemerkt vorbeigeht, finden heute weitere Hospitationsstunden statt. Es ist faszinierend, auf was für andere Dinge mach achtet, wenn man hinten aus dieser Perspektive beobachtet. Die Stunden verfliegen geradezu; kaum vorstellbar, dass das einmal als Schüler derart ätzend sein konnte.

 

 

 

 

 

11.09.2007

Oktober 5, 2007

Die ersten Hospitiationsstunden. Ich sitze hinten im Unterricht und schreibe aus Verlegenheit irgendwelche Beobachtungen auf, weil ich nicht weiß, auf was ich genau achten muss. Naja, das wird bestimmt noch besser, denke ich zuversichtlich.

Positiv überrascht bin ich von der Ausstattung und dem Organisationsgrad der Schule. Ein funktionierender und funktioneller PC-Pool, Kopierer ohne Beschränkung, Laminiergerät, super ausgestattete Lehrerbibliothek – kein Wunsch bleibt unerfüllt.

Negativ überrascht bin ich von den Problemen der Stundenplanerstellung. Auch heute gehe ich mit einem halbfertigen Konstrukt nach Hause.

Auch heute habe ich wieder Spätschicht. Ich bin total im Eimer. Das halte ich nicht lange durch. Den Job werde ich wohl nicht lange weitermachen.

10.09.2007

Oktober 5, 2007

Der erste Unterrichtstag! Wir müssen bereits um 7.00 Uhr da sein, um an der ersten Dienstbesprechung teilzunehmen. Das ist von Schule zu Schule unterschiedlich, viele empfinden es als überflüssig. Sie hatten Recht.

Die Dienstbesprechung ist seltsam. Wir sitzen zum ersten Mal im prall gefüllten Lehrerzimmer, werden organisatorische Dinge besprochen werden. Das meiste sagt mir nichts, ich kenne die Schule noch nicht genau genug, um mir über die neuen Fahrradabstellregeln ein Bild machen zu können. So beobachten wir das Verhalten der Lehrer und versuchen, nicht unangenehm aufzufallen. Ich fühle mich nicht wirklich, als ob ich hierhergehöre.

Nach der Dienstbesprechung stellt sich unser Ausbildungslehrer vor, wir werden zu den Fachlehrern geschickt. Wer sind die? Hilfe! Das Lehrerzimmer ist voll von unbekannten Gesichtern. Wir müssen uns durchfragen, einige werden uns im Vorübergehen gezeigt und gleich wieder vergessen. Die freundlicheren bieten gleich Unterrichtsbesuche oder Unterricht an, und wir danken höflich. Alles neu, aufregend und erschlagend.

Nach dieser ersten Vorstellung – sehr chaotisch – besprechen wir organisatorische Sachen. Wir müssen pro Woche zehn Stunden hospitieren (das heißt, den Unterricht des Lehrers beobachten) und über die Dauer des Praxissemesters dreißig Unterrichtsstunden halten, was sich nach wenig anhört, aber immerhin 2,3 Stunden pro Woche bedeutet (und in der ersten und zweiten schaffen wir das Pensum sicherlich nicht). Immerhin müssen wir uns die Hospitationsstunden nicht belegen lassen, das nimmt da etwas Überwachung raus und macht das Ganze angenehmer. Wir müssen außerdem einen Ordner führen, der am Ende angeguckt und bewertet wird und außerdem einen Bericht schreiben. Benotet wird davon nichts, und die abschließende Bewertung müssen wir auch nie jemandem zeigen, aber es ist wie ein Arbeitszeugnis: wichtig ist, was nicht drin steht. Und was steht wohl nicht drin, wenn bei einer späteren Bewerbung der Praktikumsbericht fehlt…? Das Ganze schafft gleich wieder unangenehmen Druck.

Als letzte Tat des Tages (Hospitieren ist nicht, da nur die Klassenlehrer Organisatorisches mit ihren Klassen klären und wir da nicht erwünscht sind) machen wir unsere Stundenpläne für die Woche – oder versuchen es zumindest. Verzweifelt hüpfen wir zwischen dem Gesamtstundenplan und den Lehrern hin und her, versuchen die einzelnen Kollegen zu finden und sie zu bitten, diese und jene Stunde besuchen zu dürfen. Besonders problematisch: wir müssen uns für jeden einzelnen durchfragen und nerven bald das ganze Kollegium. Außerdem haben wir keine Anhaltspunkte, nach was man den Stundenplan am besten aufbaut. Ich nehme einfach mal wie an einem ordentlichen Büffet von allem ein bisschen. Ein weiteres Problem ist, dass die nächsten Tage nur Einführungsstunden sind – also wieder organisatorisches, bei dem man uns manchmal nicht dabeihaben will.

Unsicher über unseren Status gehen wir mit halbfertigen Stundenplänen nach Hause.

Doch damit ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Ich muss noch zur Arbeit. Spätschicht, von 14.45 Uhr bis 23.15 Uhr. Das schlaucht, besonders, da ich dank der tollen Verbindungen der Öffentlichen Verkehrsmittel erst um 0.20 Uhr zuhause bin.

 

07.09.2007

Oktober 5, 2007

Der zweite Kompakttag. Es ändert sich wenig gegenüber gestern, ich bin froh, am Abend endlich zuhause zu sein. Mein Ordner hat bereits einen ganzen Haufen Blätter.

06.09.2007

Oktober 5, 2007

Der erste Kompakttag Seminar. Ich bin schon gespannt, habe genug Horrorgeschichten über den Spannungsgehalt gehört. Ich bin überrascht, wie viele Kommilitonen von der Uni ich treffe, eigentlich ist der Regierungsbezirk dafür nicht gerade die erste Wahl. Ich werde mich sicher nicht beschweren.

Am Anfang werden organisatorische Sachen geklärt. Langweilig, aber nötig, und das Ausmaß des Ganzen hält sich in überschaubaren Grenzen, was gut ist. Die Versprechen auf Pausen zwischen den Sitzungsteilen stimmen versöhnlich, der Bäcker ist gleich um die Ecke. Kaffee, ich komme!

Später dann Pädagogik, zuerst organisatorische Dinge, dann auch erster Inhalt. Glücklicherweise ist der Dozent (kein ausgebildeter/studierter Pädagoge, sondern ein Lehrer von einer Schule aus der Umgebung wie das ganze Personal des Seminars. Das ist gut, denn an der Uni war der “wissenschaftliche” und äußerst praxisferne Ansatz katastrophal) unterhaltsam. Der Stoff ist weder übermäßig anspruchsvoll noch allzu interessant, weswegen die Sitzung auch wirklich mehr Unterhaltungswert besitzt als tatsächlich viel für den Unterricht zu bringen. Sinnvoller sind da eher die Anekdoten und kleinen Tipps des Dozenten, die nebenher ins Gespräch einfließen.

Abends bin ich dann aber froh, wieder rauszukommen. Ich bin positiv überrascht, ich hatte es mir deutlich schlimmer vorgestellt. Zeitverschwendung ist es dennoch. Ich brenne darauf, in die Schule zu kommen.

05.09.2007

Oktober 5, 2007

Die letzte Klausur. Nun stehen nur noch Hausarbeiten an, aber das Ende des Septembers ist ja noch weeeeeit weg. Ich sollte es inzwischen eigentlich echt besser wissen.

13.08.2007

Oktober 5, 2007

Jetzt wird es langsam enger. Die zweite Mail des Ausbildungslehrers, in der er dringend empfiehlt, keine anderen Sachen nebenher zu machen. Das Seminar hat bereits eine Mail gleichen Inhalts geschickt. Ich denke an drei offene Hausarbeiten und eine bestehende Klausur und die Tatsache, dass ich weiterhin meinen Lebensunterhalt verdienen muss. Überall hört man die hohle Phrase, dass das “nicht empfohlen” bzw. “abgeraten” wird, wegen der “hohen Arbeitsbelastung” des Praxissemesters. Schön, wer die Wahl hat. Ein ungutes Bauchgefühl bleibt, aber ich arbeite gerade neun Stunden am Tag und denke nicht viel darüber nach.

Das Seminar hat auch die Termine für Pädagogik und Fachdidaktik geschickt. Entgegen meinen früheren Befürchtungen ist es nicht jeden Nachmittag, so dass ich weiterhin nebenher arbeiten können sollte. Aber wir haben eine Kompaktsitzung noch in den Ferien, die letzten zwei Tage. Das bedeutet für mich diesen Sommer genau eine Woche Urlaub. Hurra.

09.07.2007

Oktober 5, 2007

Die erste Mail vom Betreuungslehrer kommt, eine nette Begrüßung und die höfliche Frage nach Auskunftsbedarf. Habe keinen.

16.02.2007

Oktober 5, 2007

Dummerweise bin ich noch am gleichen Tag in den Urlaub gefahren, so dass ich über Handy mit einer freundlichen Seele in Kontakt bleiben musste, um im Ernstfall a.s.a.p. eine weitere Bewerbung abzugeben. Leider war das auch nötig. Beim zweiten Versuch sollte es dann aber klappen, so dass ich meinen Platz sicher hatte und beruhigt in den Herbst blicken konnte. Das Praxissemester rückte erst einmal für die anbrechende vorlesungsfreie Zeit und das Sommersemester in weite Ferne.

15.02.2007

Oktober 5, 2007

Heute nach war die Onlineanmeldung über die Seite des Kultusministeriums. Angekündigt war, dass die Seite um 7.00 Uhr morgens freigeschalten wird; wir haben ihnen kein Wort geglaubt und damit Recht behalten und waren vorsorglich bereits am 14. um halb neun abends online und hatten die Seite geöffnet. Das war eine gute Idee, denn eine halbe Stunde vor zwölf ging bereits nichts mehr, die Seite ließ sich nicht mehr aufrufen und das Aktualisieren (wir hatten sie ja glücklicherweise bereits geöffnet) dauerte über fünf Minuten. Um exakt null Uhr wurde sie denn auch freigeschalten. Mehrere Aktualisierungsversuche später (die fehlschlugen) gelang es mir, meine Daten einzugeben, so dass meine Anmeldung um 0.14 Uhr in den Äther geschickt werden konnte. Bedenkt man, dass ich gerüchteweise davon gehört habe, dass sämtliche Tübinger Gymnasien bereits um 0.07 Uhr “voll” waren bin ich doch froh, dass ich da nicht hinmusste. Manche Kommilitonen saßen bis 1.45 Uhr dran, bevor sie die Anmeldung abschicken konnten, von daher war ich richtig schnell.

Der Beginn

Oktober 5, 2007

Heute ist der 5.10.2007. Das Praxissemester läuft schon, aber ich habe mich entschlossen, ein Blog aufzumachen, das als Onlinetagebuch fungieren soll – Erfahrungen und Erlebnisse dokumentieren. Die ersten Einträge werden also rückwirkend aufgemacht, aber lasst euch davon nicht verwirren.

Ich schreibe weder, an welcher Schule ich bin, noch in welchem Regierungsbezirk, noch wie ich heiße und werde auch keine Namen nennen oder Dinge, die Rückschlüsse auf eines der genannten zulassen. Ich glaube, ihr könnt euch vorstellen warum.

Ansonsten bleibt mir nur noch, euch viel Spaß beim Lesen zu wünschen!


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